Was kostet Autofahren in Europa 2026? Vignetten, Maut und kostenlose Straßen
Wenn Sie dieses Jahr eine Autoreise durch Europa planen, werden die Straßengebühren leicht unterschätzt. An einer Grenze zahlen Sie nichts, an der nächsten brauchen Sie plötzlich eine Vignette, von der Sie noch nie gehört haben, oder Sie rollen an eine Mautstelle, ohne zu wissen, was es kostet. Wer es falsch macht, zahlt ein Bußgeld, das oft ein Vielfaches der ausgelassenen Gebühr beträgt.
Die gute Nachricht: Es ist nicht kompliziert, sobald man das Muster erkennt. Europa nutzt eigentlich nur drei Systeme, und fast jedes Land passt in eines davon. Dieser Ratgeber geht alle durch — mit den offiziellen Preisen für 2026, damit Sie genau wissen, was Sie vor der Abfahrt regeln müssen.
Wenn Sie nur die Zahlen für jedes Land an einem Ort brauchen, springen Sie zu unserer Tabelle der europäischen Straßengebühren, die alle 32 Länder mit offiziellen Preisen und Direktlinks zu jedem Behördenportal auflistet. Der Artikel unten erklärt, was diese Zahlen für Ihre Reise bedeuten.
Die drei Systeme, in einer Minute
Vignettenländer. Sie kaufen eine zeitbasierte Plakette vor der Autobahnnutzung: einen Tag, zehn Tage, einen Monat, ein Jahr. Sie ist an Ihr Kennzeichen gebunden (den Papieraufkleber gibt es kaum noch), und Kameras prüfen sie automatisch. Schweiz, Österreich, Tschechien, Slowakei, Slowenien, Ungarn, Rumänien und Bulgarien funktionieren so.
Mautländer. Sie zahlen für die tatsächlich gefahrene Strecke, entweder an einer Schranke mit Ticket und Zahlung bei der Ausfahrt oder elektronisch per Kamera. Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Kroatien und Griechenland sind die großen.
Kostenlose Länder. Keine Vignette, keine Autobahnmaut für einen normalen Pkw. Deutschland ist das bekannte Beispiel. Es gibt noch ein paar Haken, dazu gleich mehr.
Zu wissen, in welchen Topf ein Land fällt, ist die halbe Miete. Die andere Hälfte ist, das Richtige am richtigen Ort zu kaufen — denn hier verliert man Geld an Bußgelder und an Wiederverkäufer mit Aufschlag.
Vignettenländer: vor der Fahrt kaufen
Das sind die Länder, in denen Sie eine Plakette im Voraus regeln müssen. Die Preise unten sind die offiziellen Tarife 2026 für einen normalen Pkw bis 3,5 Tonnen.
| Land | Kurzoption | Längere Optionen | Jahr | Gilt für |
|---|---|---|---|---|
| Schweiz | — | — | 40 CHF (~43 €) | Autobahnen (A-Straßen) |
| Österreich | 1 Tag 9,60 € · 10 Tage 12,80 € | 2 Monate 32 € | 106,80 € | Autobahnen + Schnellstraßen |
| Tschechien | 1 Tag 230 CZK (~9 €) · 10 Tage 300 CZK (~12 €) | 30 Tage 480 CZK (~19 €) | 2 570 CZK (~103 €) | Autobahnen + Schnellstraßen |
| Slowakei | 1 Tag 8,10 € · 10 Tage 10,80 € | 30 Tage 17,10 € | 90 € | Autobahnen + Schnellstraßen |
| Slowenien | 7 Tage 16 € | 30 Tage 32 € | 117,50 € | Autobahnen + Schnellstraßen |
| Ungarn | 1 Tag 5 550 HUF (~16 €) · 10 Tage 6 900 HUF (~20 €) | monatlich 11 170 HUF (~32 €) | 61 760 HUF (~176 €) | Autobahnen |
| Rumänien | 1 Tag 3,50 € · 10 Tage 6 € | 30 Tage 9,50 € · 60 Tage 15 € | 50 € | Autobahnen + Nationalstraßen |
| Bulgarien | 1 Tag 4,09 € · WE 5,11 € · 7 Tage 7,67 € | 30 Tage 15,34 € · 3 Monate 27,61 € | 49,60 € | Autobahnen + Straßen 1./2. Klasse |
Ein paar Dinge, die Sie vor dem Kauf wissen sollten:
Die Schweiz hält es einfach — und etwas eigen. Es gibt gar keine Kurzoption. Die einzige Möglichkeit ist die Jahresvignette für 40 CHF, die aber 14 Monate läuft (1. Dezember bis 31. Januar des Folgejahres), sodass schon ein einziger Fahrtag den vollen Betrag kostet. Unser Schweiz-Vignetten-Ratgeber erklärt die Details.
Rumänien und Bulgarien sind die Schnäppchen — mit Haken. Die rumänische Rovinieta gehört zu den günstigsten Europas, ist aber auch auf gewöhnlichen Nationalstraßen (den DN-Routen) Pflicht, nicht nur auf Autobahnen, sodass fast jede Fahrt zwischen Städten eine braucht. Bulgarien hat im Februar 2026 eine neue 1-Tages-Vignette (4,09 €) eingeführt und seine Preise auf Euro umgestellt. Siehe den Rumänien-Ratgeber und den Bulgarien-Ratgeber.
Slowenien rechnet nach Fahrzeughöhe ab. Ein normaler Pkw (Klasse 2A, bis 1,3 m) zahlt die Preise oben. Ein Transporter mit Hochdach oder ein Auto mit Dachbox zählt als Klasse 2B und zahlt mehr — wählen Sie also die richtige Klasse, sonst ist Ihre Vignette ungültig. Volle Aufschlüsselung im Slowenien-Ratgeber.
Elektroautos sind kein Freifahrtschein. Nur Tschechien befreit reine Elektro- und Wasserstofffahrzeuge (0 CZK), und selbst dann müssen Sie das Kennzeichen zuerst registrieren. In der Slowakei, Slowenien, Rumänien, Bulgarien und Österreich zahlt ein E-Auto so viel wie ein Benziner. Mehr zu den Regeln nach Antriebsart im Tschechien-Ratgeber und im Slowakei-Ratgeber.
Kaufen Sie nach Möglichkeit direkt im offiziellen nationalen Portal (via.admin.ch, edalnice.cz, eznamka.sk, evinjeta.dars.si, roviniete.ro, bgtoll.bg, asfinag.at). Der Preis ist staatlich festgelegt und für ausländische Kennzeichen identisch — es gibt also keinen Grund, den Aufschlag eines Wiederverkäufers zu zahlen.
Mautländer: Sie zahlen für die genutzte Straße
Hier gibt es keine Plakette zum Vorauskaufen. Sie zahlen für die gefahrenen Kilometer, der Preis hängt also ganz von Ihrer Route ab. Der Mechanismus zählt mehr als eine einzelne Zahl.
Frankreich hat das dichteste Netz an Péage-Autobahnen. Sie ziehen bei der Einfahrt ein Ticket und zahlen bei der Ausfahrt mit Karte. Als grober Anhalt: Paris–Lyon rund 40 €, Paris–Nizza etwa 70 €. Details auf autoroutes.fr.
Italien funktioniert auf der Autostrada genauso mit Ticket und Zahlung. Rom–Mailand auf der A1 sind rund 40 €. Siehe autostrade.it.
Kroatien ist eine klassische Sommerroute an die Adria; Zagreb–Split kostet an den Stationen etwa 25–30 €. Spanien hat seit 2020 viele seiner AP-Autobahnen freigegeben, Sie zahlen also vielleicht weniger als erwartet. Portugal setzt stark auf rein elektronische Maut (Via Verde), was für ein ausländisches Auto wichtig ist, weil es keine Schranke zum Anhalten gibt. Griechenland nutzt besetzte Mautstationen auf den Hauptautobahnen.
Norwegen hat gar keine Schranken. Kameras lesen Ihr Kennzeichen auf mautpflichtigen Straßen, Brücken und Tunneln, und es wird automatisch über AutoPASS abgerechnet. Für ein Besucherauto registrieren Sie Kennzeichen oder Fahrzeug, damit die Rechnung Sie erreicht.
Polen ist die Überraschung. Seit 2023 sind die staatlichen Autobahnen und alle Schnellstraßen (die S-Straßen) für Pkw kostenlos. Nur drei privat betriebene Abschnitte berechnen weiterhin: A1 Gdańsk–Toruń, A2 Świecko–Konin und A4 Katowice–Kraków.
Der Kern eines Mautsystems ist, dass man es nicht wirklich vorab kaufen kann — zu planen ist also, wie Sie zahlen: eine Karte für die Schranken bereithalten und für die kamerabasierten Systeme (Portugal, Norwegen, Teile Italiens) vor der Reise die Seite des Betreibers prüfen, damit Ihnen keine Rechnung nach Hause folgt.
Kostenlose Länder: fast gratis, mit Fußnoten
Manche Länder verlangen von Pkw nichts für die Autobahnnutzung. Deutschland ist der große Fall: Die Autobahn hat für Pkw keine Maut (nur Lkw zahlen). Belgien, die Niederlande, Luxemburg und Finnland sind im Alltag ebenfalls kostenlos.
Die Fußnoten lohnen sich, denn hier kostet ein „kostenloses” Land doch etwas:
- Dänemark ist auf dem Straßennetz kostenlos, die großen Brücken aber nicht: die Øresundquerung rund 50 €, der Storebælt etwa 35 €.
- Schweden hat keine Autobahnmaut, aber Stockholm und Göteborg erheben Citymaut, die per Kamera abgerechnet wird.
- Mehrere Städte in Deutschland, Belgien und den Niederlanden haben Umweltzonen (LEZ). Ihr Auto braucht eventuell eine Plakette oder Registrierung für die Innenstadt, selbst wo die Autobahn selbst kostenlos ist.
„Kostenlos” heißt also meist kostenlos zwischen Städten — nicht unbedingt kostenlos über eine große Brücke oder in ein Stadtzentrum.
Und Moldau und Belarus?
Führt Ihre Route weiter nach Osten, gelten zwei weitere Vignettensysteme. Moldau nutzt eine E-Vignette für ausländische Autos, ab rund 4 € für 7 Tage, erhältlich auf evinieta.gov.md. Belarus betreibt das elektronische BelToll-System, bei dem die Gebühr von Strecke und Fahrzeugklasse abhängt. Beide werden per Kamera kontrolliert — es gilt also dieselbe Regel: vor der Fahrt regeln.
So vermeiden Sie ein Bußgeld
Die meisten Bußgelder gehen auf dieselben wenigen Fehler zurück. Keiner ist schwer zu vermeiden:
- Vor der Grenze kaufen, nicht danach. Kameras sind meist ab dem ersten Kilometer aktiv. „Ich wollte gerade eine kaufen” zählt nicht.
- Das offizielle Portal nutzen. Der staatliche Preis ist für alle gleich, und ein offizieller Kauf bedeutet, dass Ihr Kennzeichen in der richtigen Datenbank steht.
- Das Kennzeichen exakt eingeben. Ein Tippfehler heißt, die Kamera sieht ein nicht registriertes Auto, obwohl Sie gezahlt haben.
- Die richtige Fahrzeugklasse wählen. Sloweniens Höhenklassen und Österreichs eigener Motorradtarif sind die häufigen Fallen.
- Die Bestätigung aufheben. Speichern Sie die E-Mail. Bei Kamerasystemen müssen Sie selten etwas vorzeigen, aber es klärt jeden Streitfall.
Bußgelder sind nicht harmlos. Bulgariens gehört mit rund 1.530 € zu den höchsten Europas, die Slowakei verlangt 800 € vor Ort, und die Schweiz schlägt 200 CHF obendrauf — und Sie müssen die Vignette trotzdem kaufen. Gegen diese Zahlen ist eine Plakette für 6 bis 43 € eine billige Versicherung.
Eine einfache Checkliste vor der Reise
Gehen Sie vor der Abfahrt Ihre Route Land für Land durch und stellen Sie pro Land eine Frage: Vignette, Maut oder kostenlos?
- Für jedes Vignettenland die richtige Plakette für die richtige Fahrzeugklasse im offiziellen Portal kaufen.
- Für jedes Mautland entscheiden, wie Sie zahlen (Karte an der Schranke oder Registrierung für die Kamerasysteme).
- Für jedes kostenlose Land auf Ihrer konkreten Route auf Brückenmaut, Citymaut oder Umweltzonen prüfen.
Das ist die ganze Arbeit. Zehn Minuten Planung ersparen Ihnen die Überraschung am Straßenrand.
Alle Zahlen Land für Land, die offiziellen Preise und die direkten Behördenlinks an einem Ort finden Sie in unserer Tabelle der europäischen Straßengebühren für 2026. Und wenn Ihre Route durch die Schweiz, Tschechien, die Slowakei, Slowenien, Rumänien oder Bulgarien führt, begleiten Sie unsere ausführlichen Länder-Ratgeber Schritt für Schritt durch jede Vignette.